Troubadist & Journadour

Ein publizistisches Wagnis

Zwei Seelen wohnten, ach, schon immer in meiner Brust. Dass ich mich mit 18 Jahren entschied, Journalist und nicht Musiker zu werden, hatte einerseits damit zu tun, dass ich mich beim Schreiben schon sicherer fühlte und andererseits nach Jahren der Ausbildung an der klassischen Gitarre des Übens schlicht müde geworden war. Artig machte ich im Brotberuf meine Karriere und ich kann heute nicht mehr zuverlässig sagen, ob mir das gleich viel Freude bereitet hat wie meinem engeren Umfeld, dem gesellschaftliche Reputation und wirtschaftliche Sorgenfreiheit zumindest sehr recht waren. Ich nehme es aber an, denn sonst hätte ich es nicht drei Jahrzehnte lang getan und das den größten Teil davon mit Leidenschaft. Wichtiger als Ansehen und Geld war mir aber, dass ich meinen einen Traum, vom Schreiben zu leben, verwirklicht hatte und den anderen, Musik zu machen, nicht aufgeben musste. Wann immer es möglich war, zog ich auch neben dem Job singend durch die Lande, um danach an den Schreibtisch zurück zu kehren. Troubadour und Journalist verschmolzen zu einem Troubadisten.

Doch der Job veränderte sich und der Job veränderte mich. Nach einem, sagen wir, von Körper und Seele erzwungenen Überdenken des eigenen Tuns und Lassens wurde klar, dass ich nicht in einer Redaktionsstube in Pension gehen würde. Der Weg war lange das Ziel gewesen, aber plötzlich war mir das Ziel im Weg. Ich verließ die Lohnbuchstabenfabrik und beschloss, mir zwei Jahre nur mit Musik zu gönnen, denen ebenso viele CDs entspringen sollten. 15 zärtliche oder böse Lieder waren mir in dem Moment wichtiger als 15 Monatsgehälter. Der Preis für den Lohn war mir zu hoch geworden. Natürlich ging damit sehr viel Sicherheit verloren, aber dafür kehrten Lust und Leidenschaft in neuer Qualität zurück. Und es gab in mehr als zwei Jahren nicht einen Moment, in dem ich meine Entscheidung, das vertraute und versorgende System zu verlassen, in Frage gestellt hätte. Ich hatte ja bereits meine Antwort.

Aber es war klar, dass einer, der quasi im Sternzeichen Journalist ist, davon dauerhaft nicht lassen würde. Nur über die Form musste ich mir klar werden. Viele bedauerten nach meinem Tageszeitungs-Ende in persönlichen Gesprächen oder am Telefon, dass sie jetzt „den Gran“ nicht mehr lesen könnten mit seinem eigenen Zugang zu den Menschen und den Dingen. Und so entschied ich, als das zurück zu kommen, was ich wohl bin und was auch meine Arbeit ausmacht. Als Troubadist. Ich werde weiterhin Lieder schreiben und singen und ich arbeite wieder journalistisch. Mit dem Unterschied zu früher, dass beide Seelen gleichberechtigt sein dürfen. Beide dürfen mich und mein Publikum glücklich machen und beide dürfen mir helfen, die Miete zu zahlen. Beide dürfen einander darüber hinaus noch intensiver befruchten als bisher. Das Musische darf weiterhin feine Antennen machen fürs Journalistische und das Journalistische darf helfen, die Textzeilen der Lieder auf den Punkt zu bringen.

„Ein publizistisches Wagnis“ lautet die Unterzeile etwas weiter oben. Nun, handwerklich ist es das gewiss nicht. Das kann ich und das kann ich sehr gut. Aber wollen die Menschen „den Gran“ nicht nur lesen, sondern dafür auch bezahlen, auch wenn es umgerechnet nicht einmal zwei Tassen Cappuccino oder zwei Seiterl Bier im Monat kostet? Es wird aufkommen. Die Gegenleistung sind an die 25 größere Stories und Interviews pro Jahr mit spannenden Menschen aus allen möglichen Bereichen des Lebens, außergewöhnliche Geschichten mit Musikern und anderen Künstlern in der Rubrik „Zwischentöne“, viel Vergnügen beim „Zwinkersmiley“, einer ironisch-satirischen Betrachtung der zahllosen vermeintlichen Belanglosigkeiten oder tatsächlichen Blödheiten auf diesem Planeten sowie der Gran’sche Biss im Blog, der zumindest wöchentlich erscheinen wird. Dieses Format geht nicht in Konkurrenz zu Bestehendem, weil es all das ja schon gibt. Es bietet nicht mehr, aber auch nicht weniger an als einen einzigartigen Zugang zu Menschen und Geschehnissen – nämlich den des Autors, den es, und das ist eine der wenigen Gewissheiten, über die man verfügen kann, halt nur einmal gibt. Das kann man wollen oder nicht.

Für die, die wollen: Ein Abo kann über ein Jahr oder sechs Monate abgeschlossen werden – und man kann die Elaborate in Form von Abo-Gutscheinen auch jemandem zum Geschenk machen. Man erhält per Mail einen Zugangscode, mit dem sich die oder der Beschenkte dann einloggen kann.

Ich freue mich auf mein „Wagnis“ und ich freue mich auf alle, die mich dabei begleiten.